Ritual und Ablauf:

 

Die Einnahme von Ayahuasca und anderen Pflanzen ist bei den Schamanen im Amazonasgebiet in ein gewisses Ritual eingebettet. Bei diesem Ritual findet ein spezieller Handlungsablauf nach gewissen Regeln mit Symbolgehalt statt. Das Symbol ist die spirituelle Komponente, es ist etwas Heiliges, Besonderes, Göttliches, dies ist stets präsent. Eine Zeremonie (Ayahuascazeremonie) ist die Einnahme des Ayahuascas und der darauf folgende Handlungsablauf, der von 4 bis zu 8 Stunden dauern kann.

All diese Regeln, Handlungen, Symbole  haben auf der einen Seite mit geschichtlichen Hintergründen und mit den Traditionen der Einheimisch zu tun, auf der anderen Seite soll es die Glaubensstruktur des Klienten und Glaubhaftigkeit der Schamanen verstärken. Die Schamanen werden wie Meister verehrt, oft haben diese Künstlernamen. Der Begriff Don (bzw. weibliche Form Dona) vor dem Namen wie z.B. Don Agustin Rivas, bedeutet eine Ehrenanrede, Person vor dem man Respekt hat. Es wird im Spanischen auch für ältere Personen verwendet. Eine andere Ehrenanrede ist Senor bzw. Senora diese wird bei Ämter, Behörden, Vorgesetzten und auch respektvoll für Kunden verwendet, manchmal aber auch bei der Anrede bei Schamanen.

Oft wird auch in diesem Zusammenhang von Set und Setting gesprochen, dass dies wichtig ist im Rahmen der Ayahuascaeinnahme. Set ist die mentale, gefühlsmäßige Verfassung des Konsumenten. Je besser man sich fühlt mit Harmonie, desto mehr ist man geöffnet für eine Ayahuascazeremonie und mehr Chancen gibt es, das alles ordnungsgemäß wirkt. Setting ist alles was mit der Umgebung, Umfeld der Einnahme zu tun hat.

 

Immer wieder wird betont wie wichtig Set und Setting, also die Rahmenbedingungen, sind. Man geht hier von der Voraussetzung aus, dass es sich bei der Einnahme, um ein korrektes gekochtes, starkes, gutes Ayahuasca handelt. Je mehr Chacrunablätter (wo DMT -Dimethyltryptamin enthalten ist) im Ayahuasca drinnen sind, desto besser und stärker ist das Ayahuasca, vorausgesetzt es ist gut gekocht. Diese Voraussetzungen werden heuten an vielen Orten leider nicht erfüllt. Oft wird absichtlich ein schwaches Ayahuasca mit wenig Chacrunablätter gekocht, um beim Massentourismus alles besser in den Griff zu bekommen und große Probleme während der Zeremonie zu vermeiden. Die Qualität im Vergleich zu den letzten 20 Jahren ist dramatisch gesunken. Der Erfolg von einer Ayahuascazeremonie hängt zu 80% von der Qualität des Ayahuascas ab und nur zu 20% von den anderen Dingen wie Set und Setting. Dies ist meine persönliche Meinung und Erfahrung aufgrund meiner langjährigen Experimente und Studien. Einige Schamanen (auch berühmte, erfolgreiche), Organisatoren, Internetseiten sind einer anderen Meinung. Sie legen auf die Ayahuascaeinnahme selbst nicht so viel Wert und meinen, dass das Ritual und der Ablauf (das alles drum herum) genauso wichtig bzw. noch wichtiger sind als die Ayahascaeinnahme selbst. Dem Hilfesuchenden Klienten wird so Liebe und Achtung entgegengebracht. Dies kann beschränkt wirkungsvoll sein, ist aber meist nur von kurzer Dauer. Fahren die Touristen wieder zurück in ihr Heimatland, haben sie einige tolle Erlebnisse in Amazonien gehabt, aber eine wirkliche Lebensveränderung oder Heilung fand dadurch nicht statt. Das ist so wie mit dem alten Sprichwort: Wenn wer Hunger hat, gib einer Person einen Fisch und Du ernährst diese Person einen Tag, will man den Hunger für immer beenden, dann zeig einer Person, wie sie einen Fisch fangen kann, damit der Hunger dann für immer gestillt ist.

 

Nur ein Ereignis in unserem Leben, das uns ganz tief im Herzen berührt, verändert uns. Die Bedingung für ein solches Erlebnis ist ein tief gemachter Bewusstseinszustand in Ayahuascatrance und man kommt dorthin nur mit einem guten, kräftigen, korrekt gekochten Ayahuasca, dadurch wird einer Person gezeigt, wie sie einen Fisch fangen kann, damit der Hunger für immer gestillt ist. Man ist dann unabhängig vom Schamanen, Rituale und Ablauf. Später einmal kann z.B. selbst Ayahuasca alleine genommen werden ohne die Mithilfe vom Schamanen und ohne schöne Rituale und der Ablauf ist dann nebensächlich.

 

Ich bin kein Gegner von Ritualen in toller Umgebung mit schönen Gewändern, Tänzen, Gesängen und allem was noch dazu gehört, man sollte aber das Wesen der Ayahuascaeinnahme nicht aus den Augen verlieren. Optimale Bedingungen, wo alles passt, kommen fast nie vor, man kann eben nicht alles haben.

 

 

Das Ritual und Ablauf, dazugehören Ort und Gebäude, Bekleidung und schamanische Gegenstände, zeitlicher Rahmen und Musik, Gesänge und Instrumente sind in Wahrheit so unwichtig, so völlig ohne Bedeutung, da der Erfolg einer Ayahuascaeinnahme zu 80% von der Qualität der Pflanzen abhängt. Wichtig ist den unwichtigen Dingen, wie diesen nicht zu viel Raum zu geben.  Sie werden auf meiner Homepage als Zusatzinfo erwähnt, da es immer wieder Anfragen diesbezüglich gibt. Ein Ayahuasca wirkt dann ordnungsgemäß, wenn die Leute nach einer Einnahme sagen können, super, ich bin jetzt ganz glücklich mit viel Liebe, alle gesundheitlichen und psychischen Probleme konnten analysiert und aufgelöst werden, die Ayahuascavision war die beste und tollste Erfahrung in meinem Leben, ich bin jetzt wie neu geboren und total verändert. Die Leute strahlen vor Glück und Liebe, diese Energie kann man intensiv bei allen, sowohl Ayahuascatrinker und andere Beteiligten sehen und fühlen.

 

Zum Ritual gehört:

 

1. Ort und Gebäude

2. Gegenstände und Kleider

3. Zeit

4. Musik 

 

 

 

1. Ort und Gebäude:

 

Ayahuasca wird zu 99% ist einer geschützten Umgebung, sprich Gebäude (Haus) und nur zu 1% in freier Natur eingenommen.

 

Der Schamane hat sein eigenes Haus, Camp, wo die Klienten hinkommen, meist ist dies auch der Wohnbereich des Schamanen. Manchmal fährt der Schamane zu einem bestimmten Veranstaltungsort, den der Organisator gemietet hat.

 

Das Zeremonienhaus bei den indianischen Schamanen wird oft Maloca genannt, es ist meist rundlich, oval. Bei nicht indianischen Schamanen hat es keinen eigenständigen Namen, man nennt es einfach Zeremonienhaus.

 

(Bilder können durch anklicken vergrößert werden)

Unerlässlich ist im Inneren des Zeremonienhauses der sogenannte Speikübel, jeder Teilnehmer bekommt diesen vom Schamanen, im Fall des Erbrechens, das ja Bestandteil (es kann sein, muss aber nicht sein) des Ayahuascarituals ist. Weiter sollten Decken zur Verfügung gestellt werden, manchmal kann es im Urwald nachts sehr kalt werden. Eine große, weiche Matratze, Isomatte oder Schlafsack sind ebenfalls empfehlenswert (die meisten haben es), man hat hier die Option, dass man sich hinsetzen oder bei Bedarf hinlegen kann.

 

Einige Schamanen haben nur eine Sitzgelegenheit, hier sollte zumindest ein weiches Polster als Sitzunterlage zur Verfügung sein. Der Vorteil, wenn es nur Sitzgelegenheiten gibt, ist es, dass wenn Leute müde werden, sie sich nicht hinlegen können und dann eventuell einschlafen und so wird auch verhindert, dass man im Schlafen erbricht, was zu Komplikationen führen kann. Der große Nachteil ist, dass man für die Ayahuascavisionen, wenn man müde ist, nicht die nötige Ruhe und Entspannung hat. Das Sitzen ist dann kontraproduktiv und beeinflusst negativ die Visionen. Bei einem starken Ayahuasca und hoher Dosis wird man meistens automatisch so schwach, dass man nicht mehr sitzen kann. Was macht man dann? Die einzige Möglichkeit ist, sich auf den harten Fußboden zu legen, da ist es allemal besser, es ist mit einer Matratze, Decke vorgesorgt.

Sehr wichtig ist auch, dass genügend Trinkwasser (Plastik-Einwegflaschen) zur Verfügung stehen. Dies dient zum einen, dass man sich den Mund ausspülen kann nach der Ayahuascaeinahme, das Ayahuasca hat einen sehr unangenehmen Geschmack, Nachgeschmack, (ähnlich wie Bier) und zum anderen, wenn man viel erbricht, braucht man Flüssigkeitsnachschub.

Toiletten sollten in der Nähe sein, meist besteht ein Verbindungsgang vom Zeremonienhaus zu der Toilette. Die meisten Schamanen haben schon modere europäische WC Anlagen, einige nur ein Plumsklo (Trockentoilette ohne Wasserspülung). Fast immer fehlt es in südamerikanischen Ländern an Toilettenpapier (da es von den Armen gestohlen wird), man muss es selbst mitbringen.

                            Zeremonienhaus mit überdachten Gang zur Toilette

Eine handliche Taschenlampe soll bei der Zeremonie nie fehlen. Die Taschenlampe soll aber nicht zu stark sein, denn sonst stört sie das Ayahuascaritual und andere Teilnehmer. Man ist während der Zeremonie stark Licht empfindlich.

 

In Ayahuascatrance bei starkem Ayahuasca ist die Körpermotorik manchmal stark gestört, man kann schwer oder gar nicht gehen. Man sollte hier aufpassen, wenn man alleine auf die Toilette geht, dass man nicht hinfällt, zur Not kann man auf allen Vieren zur Toilette gehen. Ein gutes Rezept gegen Schwindlig sein ist auch, dass man die Beine beim gehen am Boden schleifen lässt und nicht zu viel aufhebt. Bei einer größeren Anzahl von Teilnehmern sind immer Helfer vom Schamanen dabei, die während der Zeremonie gerufen werden können und die einen zu den Toiletten begleiten, das ist aber nur dann möglich, wenn der Ayahuascatrinker sich noch etwas bewegen kann. Im schlimmsten Fall, bei totaler Bewegungslosigkeit bleibt nichts anderes übrig, dass man in die Hose macht, dies ist allemal besser, als man verletzt sich, z.B. durch Sturz. Man sieht hier, dass es hier zu Komplikationen kommen kann, deshalb soll man ja vor der Zeremonie nichts bzw. nicht zu viel essen und auch vorher auf die Toilette gehen. Aufgrund dieser und anderen nicht an dieser Stelle erwähnten Komplikationen sind Schamanen sehr vorsichtig bei großer Teilnehmerzahl, sie geben nicht wirklich eine starke Dosis. Dadurch wird aber verhindert, dass man in ganz tiefe Schichten seines Inneren vorstoßt. Man kann eben nicht immer alles haben. Jeder Teilnehmer kann natürlich nachhaben.

 

Das Ayahuascanehmen in freier Natur ist kompliziert, vor allem für Beginner, und nicht weiterzuempfehlen. Es fehlen die sanitären Einrichtungen und auch jeder Komfort.Was macht man bei Regen, Sturm und Unwetter? Man ist ja stark eingeschränkt durch die Ayahuascatrance in der Bewegung und kann nicht so einfach wegrennen. Man kann in der Natur verloren gehen, da das Raum- Zeit- und Ortsgefühl in Trance eingeschränkt ist oder fehlt. Leicht kann man stürzen. Wilde Tiere (ich wurde einmal hierzulande von Wildschweinen während einer Naturzeremonie angegriffen), die nachtaktiv sind, können zum Problem werden. Als Waffe kann ein Elektroschockgerät oder Signalpistole dienen.

 

 

Ayahuasca funktioniert nur, wenn es warm ist bzw. wenn genügend Kleider man zum Anziehen hat. Alle Sinne (auch Sensoren an der Haut) werden durch Ayahuasca verstärkt , bei Wärme kann man sich ausziehen oder den Raum lüften, bei Kälte, die durch Ayahuasca verstärkt wird, dauert es meist lange bis ein Raum aufgewärmt ist und diese Kälte behindert, verhindert die Visionen, man fühlt sich total unwohl, unter Umständen kann man einen Kälteschock bekommen. Da hilft dann nur noch Bewegung, z.B. einrollen in eine Decke und sich hin und her drehen. Bei extremer Kälte, z.B. ein Raum, wo die Heizung ausgefallen ist, soll unbedingt die Zeremonie abgesagt werden – es funktioniert nicht. Bei Ayahuascanehmen im Schnee, (einmal nahm ich es, aber nur weil mein Refugium in der Nähe war) muss man sich sehr, sehr warm anziehen und was passiert, wenn man aufgrund der Trance und Bewegungseinschränkung sich hinsetzen oder hinlegen muss? Man kann hier schnell erfrieren. Es versteht sich von selbst, dass unsichere Orte wie Felsen, auf Bäumen, neben stark fließenden Flüssen nicht in Frage kommen. Ein baden gehen, bzw. ins Wasser gehen während der Zeremonie verhindert, bzw. vermindert sofort die Vision. Ein Mensch der schwimmen kann, kann unter Umständen in starken Ayahuascatrance, dann nicht mehr schwimmen.

 

Natürliche Geräusche wie Schreie von Tieren, das Zirpen der Grillen, das Rauschen der Flüsse und Wasserfälle, das Donnern und Blitzen, etc. können, aber müssen nicht, eine Ayahuascazeremonie negativ beeinflussen. Unnatürliche Geräusche und Lärmbelästigung während der Zeremonie sind immer störend. Plötzlich laute Musik, die in Südamerika die Regel ist auch nachts, Geräusche von Motocarros (Motorrad umgebaut zu einem Fahrzeug mit 3 Rädern) oder Autos, Fernsehgeräte, Radios, Geschwätz von den Anrainern, usw. haben großen negativen Einfluss auf die Zeremonie. Meist ist der Lärmpegel sehr laut, zwischen 50 und 100 Dezibel (reden hat ca.40 bis 60 Dezibel, Discomusik 100 Dezibel, Flugzeug 120 Dezibel). Durch das Ayahuasca wir meist alles extrem noch verstärkt. Einige, wenige Schamanen haben ihr Camp fernab der Zivilisation, die meisten haben es in Stadtnähe oder ländlichen Gebieten. Wichtiger Hinweis: Man muss doch damit rechnen (leider ist das die Regel), dass man nachts während einer Ayahuascazeremonie durch Lärm gestört wird. Man kann sich hier durch Ohrenstöpsel (Schaumstoffohrenstöpsel), diese sollten immer im Handgepäck bei einer Südamerikareise dabei sein) sehr effizient helfen.

 

Wenn ich zum Abschluss eine Reihung vornehmen muss, was die Örtlichkeit betrifft, was hier am Wichtigsten ist, dann muss ich Folgendes sagen.

An erster Stelle die Sicherheit – jede mögliche Verletzungsgefahr muss ausgeschlossen oder minimiert werden.

An zweiter Stelle das Wasser zum Trinken.

An dritter Stelle der Lärm.

 

Alles andere z.B. Bequemlichkeiten kommen danach.

 

 

2. Bekleidung und Gegenstände

 

Fast jeder Schamane trägt bei der Ayahuascazeremonie sein Festtagskleid, Zeremoniengewand. Dieses Festtagsgewand wird bei den Indianern CUSHMA genannt. Außerhalb der Zeremonie, im Alltag tragen die Schamanen keine Festtagsgewänder, sondern normale Straßenbekleidung.  

Chusma bei den Indianern         oder              selbstgeschneidertes Zeremoniengewand

Die Schamanentracht  soll eine Zugehörigkeit zu einer Bevölkerungsgruppe, Berufsstand, symbolisieren und die Verehrung, Hochachtung, Wertschätzung gegenüber den Schamanen ausdrücken. Man will damit auch ausdrücken, dass das Ayahuascanehmen etwas Besonderes, Heiliges, Göttliches ist. Ziel ist es auch den Glauben bei den Klienten an die traditionelle Medizin Ayahuasca zu verstärken. Manchmal sind auch die Teilnehmer des Ayahuascarituals ebenfalls mit einer vorgeschlagenen Kleidung (alle in Weiß) angezogen. Diese Entwicklung fand aber erst in den letzten Jahren auf Vorschlag der internationalen Touristen statt. In Brasilien gibt es eine Gruppe, die Santo Daime genannt wird. Diese religiöse, christliche Gruppe, nimmt Ayahuasca als heiliges Sakrament, regelmäßig ein, alle Teilnehmer und Zeremonienleiter sind weiß gekleidet. Von manchen wird Santo Daime als Sekte bezeichnet. Man ist jetzt auch hergegangen und hat peruanische Schamanen, wo die Teilnehmer auch alle weiß gekleidet sind, Sekte genannt. Kennzeichen einer Sekte sind straffe, hierarchische Struktur, autoritäre Führung, Erlösungs- oder Heilversprechen, Gedanken- und Gefühlskontrolle, Leistung von überhöhten materiellen Werten (Geld ist immer im Spiel), usw. 

 

Im Schamanismus des Amazonasgebietens ist die andere Dimension, sprich der andere Bewusstseinszustand ausgelöst durch psychoaktive Pflanzen (vor allem Ayahuasca) ein wesentlicher Bestandteil der spirituellen Heilarbeit. Wenn man in einen anderen Bewusstseinszustand (Trance) kommt, sieht man oft geometrische Symbole, Linien, Spiralen, Zickzackmuster, etc. Durch Energieübertragung z.B. schamanisch Gesänge können sich diese Muster in Trance verändern und haben dann verschiedene Bedeutungen, z.B. Schutz vor bösen Geister, Energiekanal – wie eine Treppe, um in tiefere Schichten vorzustoßen, Reinigung vor negativen Energien, usw. Vor allem die Shipibo Indianer (Umgebung Pucallpa) aber auch andere ethnische Gruppe bemalen ihre Gewänder, Decken, Tischtücher, Gebrauchsgegenstände, Häuser, etc. mit speziellen Linien und Mustern. Es ist ein Medium um das unsichtbare anderer Dimensionen sichtbar zu machen.

Man könnte im übertragenen Sinn sagen, dass es sich bei diesen Mustern um Mandalas handelt. Mandalas sind geometrische Schaubilder im Buddhismus oder Hinduismus, die eine religiöse, magische Bedeutung haben. In unserem Kulturkreis sind diese Mandalas, Mediationsbilder, Bilder die man betrachtet und dann kommt man in einen anderen Bewusstseinszustand. Die Muster und Verzierungen bei den Shipibos haben neben dem künstlerischen, dekorativen Aspekt auch spirituelle Hintergründe. Wenn man in Ayahuascatrance gewisse Schamanenlieder singt, kann man diese Muster und Linien in den Visionen sehen. All das sind Hilfsmittel, um in tiefere, andere Bewusstseinszustände vorzudringen.

 

Jeder Schamane hat gewisse gesegnete Gegenstände, Hilfswerkzeuge als Zeremonienbegleiter.

 

Kerzen, Blumen, Räucherwerk, Essenzen, Parfüms, Steine, Kristalle, Talisman, Fotos, Knochen, Blätter, Holzstücke, Schamanenstäbe, usw.

Zeremonientisch vielfälltig                  oder              Zeremonientisch einfach gehalten 

Zentralwerkzeug der Zeremonie ist aber die Schamanenpfeife, mit der Tabakrauch in den Raum und zu dem Klienten geblasen wird, als Reinigung, Schutz und Transformation von Energien. Statt der Schamanenpfeife kommt auch die Mapachozigarette (Zigarette mit Naturtabak) zum Einsatz  (näheres unter Tabak – Anwendungen).

Diverse Schamanenpfeifen                                              Schamanenstab  

Der Schamanenstab auch BACULO genannt, soll magische, heilige, Eigenschaften haben. Er entspricht dem Zauberstab in Fantasyfilmen oder Bischofsstab in der Kirche. Beim Übertragen und Verändern von Energien ist es unser Geist, der Geist des Schamanen, der alles bewirkt. Alle Gegenstände sind nur Medien und Verstärkungsmittel für die geistige Arbeit, damit die Menschen mehr daran glauben.

Während der Behandlung in Ayahuascatrance kommen auch verschiedene Kräuteressenzen zum Einsatz. Manche habe erfrischende, duftende Eigenschaften andere sind herb und gelartig. Mit der Essenz wird die Haut eingerieben oder die Essenz wird vom Schamanen in den Mund genommen und dann zu dem Klienten gesprüht.

Agua Florida            Flasche mit Camalongakernen     Kräuteressenz

Die bekannteste Essenz der Schamanen ist Agua Florida (im Bild links die erste Flasche). Agua heißt Wasser und Florida kommt vom lateinischen Floris Blume – Florida – blühend. Man kann es in Peru in Apotheken oder hierzulande übers Internet bestellen. Es ist eine hochprozentige, alkoholische Essenz (bis zu 90%) mit Blüten (meist Rosenblüten). Manchmal werden auch ganz geringe Mengen (ein paar Tropfen) geschluckt, z.B. um den bitteren Geschmack nach der Ayahuascaeinnahme hinunterzuspülen. Ein zu viel nehmen oder regelmäßiges Nehmen von Agua Florida schädigt den Magen. Beim anblasen mit Agua Florida vom Schamanen oder Begleiter zum Klienten in Zeremonien muss unbedingt beachtet werden, dass das Agua Florida nicht in die Augen oder in Augenhöhe geblasen wird. Es tut nämlich höllisch weh, aufgrund des hohen Alkoholgehaltes. Am besten am Hinterkopf, Nacken, Rücken oder einreiben auf die Haut. Manche Klienten wollen keinen Tabakrauch in den Zeremonien, hier kann man das Medium Agua Florida statt dem Tabakrauch effizient einsetzen.

 

Als Färbemittel für Kleidungsstücke und für Tätowierungen am Körper kommen bei den bei den Schamanen einige Pflanzen vor. Achiote (Anottastrauch) ist ein Strauch mit stacheligen Früchten. Im inneren der Früchte sind Samenkerne aus denen ein roter Farbstoff gewonnen wird, dieser wird als Köperbemalung (vor allem Gesicht) von den Indianern verwendet. Der Einsatz geht auf spirituelle, magischen, Gründe zurück (Glücksbringer, Kriegsbemalung, Schutz vor bösen Geisten, Liebeszauber, etc.). Achiote wird auch als Gewürz, Lebensmittelfarbe und Heilpflanze verwendet. Touristen, die Schamanen besuchen, werden manchmal aufgefordert, sich die Haut mit Achiote zu färben. Achiote gibt eine schöne, kräftige, rote Farbe und ist relativ leicht, wieder zu entfernen.

Achiotestrauch

 

Huito (Jenipapobaum), eine andere Pflanze, ist eine Frucht, von einem Baum, der von den Indianern zu Tätowierungen und als Färbemittel für Kleidungsstücke verwendet wird. Huito besteht aus einer schwarzblauen Substanz. Diese schädigt die menschliche Haut.

Hand von Indianerin mit schwarzblau gefärbter Haut verursacht durch Huito

Wenn man die Farbe auf die Haut auftragt, bleibt diese mindestens 1 Monat erhalten, sie geht nicht mehr weg, auch nicht mit Wasser oder chemischen Lösungsmittel. Erst danach geht die Farbe schrittweise zurück. Die menschliche Oberhaut erneuert sich alle Monat einmal komplett. Neue Hautzellen entstehen in dieser Zeit, alte Hautzellen werden abgestoßen.

Warnung: Der Einsatz und Gebrauch von Huito bei Touristen ist sehr bedenklich und abzulehnen. Bei der Ausreise aus Peru kann es beim Zoll zu großen Problemen kommen, da die schwarzblaue Substanz im Gesicht mit dem Passfoto dann nicht übereinstimmt. Man ist dann der Willkür der Behörden ausgesetzt. Bei täglichen Erledigungen von Touristen in Peru z.B. Einkäufe, Post, Bankbesuch, etc. kann es auch zu Verwirrung und Problemen kommen. Die Farbe Huito, die einfach nicht weggeht, wird manchmal im Alltagsleben mit Krankheit verbunden. Man wird an vielen Orten wie ein Aussätziger, der Lepra hat, behandelt. In Peru kommt Lepra manchmal in entlegen Gebieten vor. Schamanen, die in ihren Ritualen Huito bei Touristen verwenden, sollen (müssen) die Touristen unbedingt vorher korrekt aufklären über die Nachteile. Der Einsatz von Färbemittel für die spirituelle Weiterentwicklung und Heilung ist bedenklich, es gibt viele Nachteile, man kann hier viel verlieren und bietet kaum (keine) Vorteile, man kann hier nichts gewinnen.

 

 

3. Zeit

 

Ayahuascarituale finden nur nachts, wenn es dunkel ist statt. Das Sonnenlicht, Helligkeit würde die Zeremonie stören, unsere Augen sind in Ayahuasca sehr lichtempfindlich, helles, grelles Licht blendet immer. Das Licht der Sonne hat auch eine andere Energie, als die Nacht und das beeinflusst die Trancereise. Theoretisch könnte man Ayahuasca unter Tag in einem sehr abgedunkelten Raum nehmen, aber den muss man in Amazonien erst finden, wo alle Hütten und Häuser offen sind und es fast keine Fenster aus Glas gibt. Das Ayahuasca nachts genommen wird, hat auch mit der Lärmbelästigung zu tun, nachts ist weniger Lärm und Lärm kann man bei den Zeremonien nicht brauchen. Man hält sich hier aber auch an gewisse schamanische Traditionen, eine Ayahuascazeremonie unter Tags kommt nicht vor.

Die Ayahuascazeremonie kann beginnen, wenn die Sonne untergegangen ist oder im Untergehen ist, da die optimale Wirkung erst nach ca. 1 Stunde nach der Einnahme eintritt. In Südamerika geht die Sonne relativ rasch und schnell unter, meist um 18 Uhr. Der Beginn der Zeremonie ist von Schamanen zu Schamanen unterschiedlich, die Norm ist zwischen 19 und 21 Uhr. Je später eine Zeremonie beginnt, desto länger dauert sie dann in der Nacht. Das Ayahusca beginnt nach 5 Minuten schon zu wirken, aber so richtig los geht erst nach 1 Stunde. Unabhängig von der Dosis jetzt gilt, je länger das Ayahuasca ohne Erbrechen im Magen gehalten wirkt, desto stärker die Wirkung. Ein Richtwert gilt, 1 Stunde nicht erbrechen, dann entfaltet Ayahuasca seine optimale Wirkung. Die Hauptrance beginnt von der 2. bis zur 4. Stunde nach der Einnahme, danach gehen die Visionen systematisch zurück. Um 1 Uhr oder 2 Uhr nachts ist die Zeremonie meist vorbei und die Anwesenden ziehen sich zurück in ihre Schlafplätze (Betten). Bei sehr intensiven Trancereisen, kann alles bis in die Morgenstunden dauern, aber nicht länger. Nach einer Zeremonie, am Folgetag, ist man meist müde wie nach einer durchzechten Nacht mit Alkohol. Es wird manchmal bis mittags geschlafen. Spätestens nach 48 Stunden ist alles wieder „beim Alten“ und man spürt körperlich von der Zeremonie nichts mehr. Eine Zeremonie inkl. Vorbereitung, Einnahme bis zum Zurückziehen ins Bett dauert im Schnitt 6-8 Stunden, wenn eine Wirkung da ist. Wenn keine Wirkung da ist, dann kann eine Zeremonie nur 2 Stunden dauern, unter 2 Stunden kann es nicht dauern.

 

Berufsschamnen nehmen meist zweimal die Woche Ayahuasca, manchmal wenn viele ausländische Touristen da sind dreimal die Woche, aber nicht mehr. Zwischen den Ayahuascaeinnahmen soll eine Pause sein von mindestens 1 Tag dazwischen. In Notfällen (wenn viele Kranke kommen), kann Ayahuasca an zwei, maximal an drei, hintereinander folgenden Tage genommen werden.

 

 

Heftige Regenfälle und schwere Gewitter können negativ die Zeremonie beeinflussen, obwohl man in einem Gebäude ist. Das hängt auch mit den Energien zusammen, die Unwetter im Hintergrund mit sich führen, aber auch mit den begleitenden Geräuschen von Regen und Donner, die man dann in der Zeremonie hört.

Vollmond hat wenig Einfluss auf die Zeremonie, Neumond hingegen, soll laut Schamanen, negativen Einfluss im Sinn von zu schwerer Energie haben. Viele Schamanen vermeiden eine Ayahuascaeinnahme bei Neumond. Das hat mit der Glaubensstruktur in Amazonien zu tun, bei Neumond soll man keine Pflanzen abschneiden oder Bäume fällen, dass ist mit negativer Energie belastet und bringt Unglück.

 

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Mondphasen keinen Einfluss haben auf Heilbehandlungen, Operationen im Krankenhaus. Hier wurde aber bei den Studien ein kleiner Fehler gemacht, man hat nämlich wahllos Leute herausgegriffen und nicht gefragt, ob sie an Mondphasen glauben oder nicht. Hauptsächlich flossen in den Studien Ergebnisse ein, von Personen, die nicht an den Einfluss des Monds auf den Mensch glauben. Würde man die gleiche Studien mit Personen machen, die alle fest an die Mondphasen glauben, dann würde das sehr wohl Einfluss auf die Heilbehandlungen und Operationen haben.

 

Bei den Gezeiten, Ebbe und Flut hat der Mond ebenfalls Einfluss. Bei Neu- und Vollmond, wenn Erde, Sonne und Mond in einer Linie stehen, verstärkt sich die Kraft der Sonne und die des Mondes und wir haben besonders hohe Fluten. Diese werden Springfluten genannt. Warum soll dann der Mond, nicht auch Einfluss haben auf den Menschen, wenn der Mensch zu ca. 70% aus Wasser besteht. Früher bevor ich das mit den Mondphasen und Neumond nicht kannte, nahm ich immer Ayahuasca zu all verschiedenen Zeiten und es wirkte immer unabhängig von den Mondphasen. Dann habe ich einmal bei einem Bauernschamanen studiert, zu dem ich großes Vertrauen habe. Der sagte, man solle Ayahuasca nicht bei Neumond nehmen, ich befolgte dann den Ratschlag. Danach einige Male aus zeitlichen Gründen (ich war unter Zeitdruck und konnte keine Tage verlieren) nahm ich Ayahuasca bei Neumond und es funktionierte niemals ordnungsgemäß (einige Wirkung hatte es aber doch). Bis heute habe ich schlechte Resultate bei Neumond aufgrund meiner veränderter Glaubensstruktur. Auch heute noch ändere ich meine Reisepläne, wenn es Neumond gibt und ich soll Ayahuasca nehmen, ich versuche die Ayahuscaeinnahme und Neumond zu verhindern. Im Notfall aber, wenn ich schwer krank wäre oder eine lebenswichtige Entscheidung schnell treffen müsste, und es gibt keine Option, würde ich auch bei Neumond Ayahuasca nehmen. Es ist dann eine wahrscheinlich verminderte Wirkung da, aber eine verminderte Wirkung ist besser als keine Wirkung, wenn ich Ayahuasca nicht nehmen würde. Manchmal muss man im Leben einen Kompromiss eingehen.

 

 

Zu gewissen Feiertagen in Peru, feiern auch die Schamanen, dass sollten Touristen berücksichtigen, dann gibt es keine Zeremonien. Auch an bestimmten heiligen Tagen wie 1. November, Tag der Toten, soll man kein Ayahuasca nehmen, da die Totengeister laut Einheimische (sie glauben daran) unterwegs sind und das kann in den Visionen sich negativ auswirken.

 

 

4. Musik

 

Die Musik, das Singen und Spielen von schamanischen Instrumenten ist fixer Bestandteil aller Ayahuascazeremonien. Kein Schamane kommt ohne die Musik aus.

Die Musik verändert den Herzschlag, den Blutdruck, die Atemfrequenz, die Gerhirnwellen und die Muskelspannung des Menschen. Sie beeinflusst unseren Hormonhaushalt. Die Klänge wirken vor allem auf Nebenniere und Hypophyse.

Je nach Musikart werden verschiedene Hormone abgegeben – Adrenalin bei schneller und aggressiver Musik, Noradrenalin bei sanften und ruhigen Klängen. Letztere können so zum Beispiel die Ausschüttung von Stresshormonen verringern und die Konzentration von schmerzkontrollierenden Substanzen im Körper erhöhen.

Musik kann so tatsächlich Schmerzen dämpfen. Folgerichtig wird sie deshalb heute schon in der Medizin in den verschiedensten Bereichen therapeutisch eingesetzt. Vor allem in der Psychiatrie und in der Schmerztherapie leistet sie nützliche Dienste.

 

Das menschliche Gehirn ist von Natur aus musikalisch. Damit ist zu erklären, warum Musik unser Innerstes so unmittelbar und intensiv berührt. Ihr direkter Einfluss auf unsere Gefühle ist derart mächtig, dass sie viele Menschen in einen Rauschzustand versetzen. Die Schamanen im Amazonasgebiet wissen es schon seit Jahrhunderten, durch ihre Musik schaffen, lenken, verändern sie Energien während den Visionen. Visionen in Ayahuascatrance können durch die Musik vergrößert, verkleinert oder von negativ in positiv verwandelt werden. Vieles hängt von der spirituellen Kraft des Schamanen ab, wie und in welcher Art er singt oder musiziert.

 

Die Melodien und Rhythmus der schamanischen Gesänge werde Icaros genannt. Kommt jetzt noch ein Text, Reime hinzu zu den Melodien, wird das komplette Lied Mariris genannt. Oft kann man nicht entscheiden ob es noch ein Icaro ist oder schon ein Mariri. Die Icaros sind das Grundgerüst der Gesänge. Die Mariris entsprechen ungefähr den Mantras im asiatischen Raum, sie habe immer einen spirituellen Hintergrund. Jeder Schamane hat seine eigenen Lieder und jedes Lied seine eigene Funktion (z.B. für Heilung, für Schutz, für Verteidigung). Oft bekommen die Schamanen in Träumen oder Visionen vom höheren Selbst die Melodien und entwickeln dies dann weiter. Die Lieder können aber auch traditionell von Vorfahren, Lehrmeister direkt übernommen werden. Es gibt Lieder, die bleiben in Melodie und Text immer gleich bei den Zeremonien und dann Lieder, die werden nach Intuition aus dem Bauch heraus gesungen und sind jedes Mal ein bisschen anders. Die schamanischen Lieder können durch schamanische Instrumente begleitet werden.

Grundsätzlich gibt es 2 Arten von typischen schamanischen Instrumenten im Amazonasgebiet. Die 1. Art sind die Rasseln.

Rassel mit Reiskörner gefüllt                                   Rassel mit Nüssen angebunden

Die 2. große Art sind die Palm- oder Blattwedeln.

Wedel aus Blättern                                                        Wedel aus Gräsern  

Die Rasseln werden auf und ab bewegt und machen ein Geräusch, diese nennt man MARACAS.

 

Die Wedeln werden hin und her bewegt und machen ein Zischen, Rauschen, diese nennt man CHACAPA.

Es werden auch andere Instrumente, die nicht so traditionell sind, bei den Schamanen in Zeremonien eingesetzt. Dazu gehören Trommeln, Muscheln zum Hineinblasen, Zupfinstrumente, Flöten. Moderne, künstlerische Schamanen wie Don Agustin Rivas setzen auch Gitarren, Mundharmonika, Akkordeon, Klangschalen, Streichinstrumente, Hackbretter, Klavier ein. 

Zwei Beispiele des Einsatzes schamanischer Musik während der Zeremonien:

1. Traditionelle, herkömmliche Musik vom Schamanen Marcelo Vargas aus Pucallpa.

 

2. Künstlerische, moderne Musik vom Schamanen Don Agustin Rivas aus Iquitos.

Die Musik ist Bestandteil der Rituale. Manche Schamanen singen viel, andere wieder wenig. Sehr oft gibt es Helfer vom Schamanen, die auch mitsingen und Musik machen, schließlich ermüdet man schnell bei intensiven Kraftgesängen. Klienten singen nicht mit. Wichtig erscheint mir, dass nicht zu wenig und auch nicht zu viel Musik gemacht wird. Es sollten auch längere Pausen in den Zeremonien eingelegt werden, wo Stille herrscht, man ist ja schließlich in einer Zeremonie und nicht in einem Theater. Der Trend geht heute eher, dass wenn viele Leute an einer Zeremonie teilnehmen, dann wird mehr, fast ständig gesungen.

 

Personen, die mit dem Ayahuascatrinken beginnen, können sich so in Ayahuascatrance an der Musik und an den Gesängen anhalten. Wenn eine negative oder gar Horrorvision da ist und es geht einem schlecht, kann man durch intensives Hinhören auf die Lieder seine Gedanken ablenken und dann geht es einem meist besser. Die schamanischen Gesänge sind ein Hilfsgerüst, an das man sich anhängen kann bei Gefahr oder Problemen in der Zeremonie. Der Schamane kann auch durch seine Lieder etwas Mitsteuern, was die Stärke und die Art und Weise der Visionen betrifft. Manchmal hat man eine harmonische gute Vision und durch den Schamanengesang verwandelt sich diese in etwas Negatives. Der Schamane hat jetzt mehrere Optionen, er singt einfach weiter, ändert das Lied oder hört auf zu singen. Es gehört viel Feingefühl und Erfahrung dazu, das richtige Lied und die richtige Art und Weise im richtigen Moment zu singen.

Wenn wer alleine Ayahuasca nimmt (vielleicht nicht beim ersten Mal, sondern später), dann kann man bei negativen Trip in Ayahuasca, selbst singen, musizieren oder Laute vor sich her brummen. Es muss jetzt nicht schamanische Musik sein, sondern irgendeine z.B. Volksmusik. Dadurch kommt man auf andere Gedanken und durch eine Gedankenänderung verschafft man eine Verbesserung des Zustandes in der Trance. Einige Ayahuascafreunde (bei Schamanen kommt es nicht vor) verwenden bei ihren Zeremonien CDs mit schamanischer Musik, das kann eine Hilfe sein. Eines sollte klar sein, Musik, Gesänge sind Energien, live vom Schamanen gesungen oder gespielt, sind effizienter als vom CD-Player.

 

Ich selbst habe einige schamanische Lieder von den Schamanen in Peru gelernt und auch einige schamanische Instrumente ausprobiert. Ich tue mir etwas schwer beim Singen und habe auch etwas Widerwillen mit diesen Liedern. Das macht sich in meinen Zeremonien eher negativ bemerkbar im Sinne der Energieübertragung, denn wenn man etwas mit Widerwillen tut oder singt, spürt man das und auch andre, umso mehr in Ayahuascatrance, wo alles verstärkt ist. Einige Leute sind eher visuell orientiert, wie ich, andere mehr akustisch. Das macht sich in meinen Zeremonien bemerkbar.

Vielleicht ist es dann besser, wenn man gar nicht singt. Ein Schamane in Peru meinte, dass ich statt schamanische Lieder von Peru mit Widerwillen, Heimatlieder aus Österreich, vorausgesetzt diese gefallen mir, singen soll bei meinen eigenen Zeremonien alleine. Er meinte die Mariris für Peruaner, sind die Heimatlieder für Ausländer. Ich probierte diese eigenartige Idee aus und es funktionierte. Nun kam was Positives heraus, ich konnte auch mehrmals bei Horrortrips gegensteuern. Warum kam etwas Positives heraus, weil ich mit Freude und Liebe, Heimatlieder bei meinen eigenen Zeremonien sang.

 

 

Die Musik und Gesänge sind Energien, speziell jene Energien, die der Schamane in sich trägt. Nicht immer ist der Schamane gut drauf und das spürt man dann in den Gesängen. Je mehr Hingabe und Liebe da ist bei einer Tätigkeit auch beim Singen, desto mehr Wirkung, so ist es auch mit der schamanischen Musik.

   Amazonasurwald