GEOGRAPHIE  -  Welches ist der längster Fluss der Erde?

Der Amazonasfluss ist mit ca. 6400 km offiziell (von den Behörden bestätigt) der zweitlängste Fluss der Erde (der Nil ist mit 6800 km der längste Fluss der Erde). Inoffiziell nach neuersten Erkenntnissen der NASA (US-Weltraumbehörde) aufgrund von Satellitenmessungen aus dem Weltraum könnte der Amazonas 6900 km lang sein und wäre dann der längste Fluss der Erde. Um die Flusslänge zu bestimmen, wird die größte Entfernung von der Quelle bis zur Mündnung ins Meer gemessen. Der Amazonas hat hunderte Nebenflüsse, deren Quellen alle in den Anden entspringen. Welche Quelle, die weit entfernteste ist, konnte bis jetzt noch nicht abgeklärt werden.

 

Fest steht, dass der Amazonas der größte Fluss der Erde ist. Er transportiert ein Fünftel des gesamten Süßwasservorrats der Erde.

Gelbe Markierung ist der Amazonasfluss (zum Vergrößern des Kartenbildes bitte auf die Karte klicken). Die Hauptentstehungsarme (links) des Amazonasflusses sind der Fluss Maranon und der Fluss Ucayali, beide entspringen in den Anden.

 

Die offizielle Quelle des Amazonas ist, in der Nähe der Stadt Arequipa, der Vulkanberg Misti (5600 m) in den Anden. Ein Abenteurer (Mike Horn) schwamm mit einer selbstgebastelten Luftmatratze von der Quelle zum Meer in 6 Monaten, ein anderer Abenteurer (Ed Stafford) wanderte zu Fuß von der Quelle zum Meer in zweieinhalb Jahren.

  

Beide Quellflüsse des Amazonas, der Maranon und der Ucayali, vereinigen sich kurz vor Iquitos zu einem Fluss und dieser Fluss wird dort bei Iquitos offiziell Amazonas genannt. Weiter stromabwärts bei dem Grenzübertritt von Peru nach Brasilien ändert plötzlich der Amazonas seinen Namen und heißt dort Solimoes. Der Solimoes fließt dann in Brasilien bis Manaus. Dort kommt dann ein weiterer Fluss hinzu der Rio Negro. Von Manaus bis zur Mündung im Meer heißt der Amazonasfluss dann wieder aufeinmal Amazonas. Wenn man bei den Einheimischen am Flussufer des Solimoes steht und fragt, wo der Amazonas ist, dann sagen sie, er ist nicht hier, sondern in Manaus, obwohl der Amazonas ja direkt vor einem vorbeifließt. Solimoes ist ein Name, den die Indianer früher dem Amazonas gegeben haben und den man heute strikt beibehalten hat.

Im Mündungsdelta zum Meer fließen mehrere Flüsse neben dem Hauptfluss Amazonas, die ebenfalls Amazonas genannt werden. Man kann dort nicht unterscheiden, wo jetzt genau der Amazonas ist und nicht. Die Einheimischen sagen dort zu allen Flüssen einfach Amazonas.

 

Man sollte den Amazonas nicht als einzelnen Fluss von der Quelle zum Meer betrachten, sondern vielmehr als ganzes Flussystem.

Der Amazonas hat 20 Hauptzuflüsse die jeweils länger sind als die großen Flüsse in Europa und 200 Nebenzuflüsse von denen 80% schiffbar sind. Insgesamt hat der Amazonas von der Quelle bis zum Meer mehr als 1000 Zuflüsse.

 

Im weitern Verlauf nenne ich den Amazons einfachhalber:

von der Quelle bis Iquitos  -  Amazonasoberlauf

von Iquitos bis Manaus  -  Amazonasmittellauf

von Manaus bis zum Meer Atlantik  - Amazonasunterlauf

Nach der Amazonasquelle fließt der Amazonas direkt neben den berühmten Inkaruinen Machu Picchu vorbei, man nennt dort den Amazonasoberlauf Rio Urubamba.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Amazonasoberlauf

Der Amazonas ist manchmal nur 300 Meter breit, aber manchmal ist er bis zu 5 km breit (bei Manus), dann sieht man von einem Ufer nicht auf die andere Seite. Der Amazonas ist durchschnittlich 20 Meter tief, an der tiefsten Stelle bis 100 Meter tief.

Amazonasoberlauf bei Pucallpa (zum Vergrößern bitte Bild anklicken). Manchmal ist die Wasseroberfläche des Amazonas spiegelglatt. Die Fließgeschwindikeit des Amazonas ist im Verhältnis zu den europäischen Flüssen sehr gering. Ein guter Schwimmer kann kurze Distanzen gegen den Amazonasstrom schwimmen. Zwischen Manaus und Mündung im Atlantik (1500 km) ist der Unterschied nur 3 Meter. Bei besonderen Wetterverhälnissen (starken Stürmen, Regen) kann der Amazonas sich in einen reißenden Strom verwandeln. Der Wasserstand des Amazonas kann dann bis zu 15 Meter Höhe unterschiedlich sein, je nach Wetter und Jahreszeit. Deshalb werden Gebäude in Flussnähe immer auf Pfählen errichtet, damit man bei einem hohen Wasserstand vor Überschwemmungen sicher ist.

 

 

Amazonasoberlauf zwischen Pucallpa und Iquitos

Amazonasmittellauf bei Manaus
Amazonasmittellauf bei Manaus

Bei Manaus fließt ein Fluss mit schwarzer Farbe, Rio Negro, zusammen mit einem Fluss mit brauner Farbe, Rio Solimoes. Beide Flüsse Rio Negro und Rio Solimoes werden auch Amazonasmittellauf genannt. Ab Manaus Richtung Meer ist es dann der Amazonasunterlauf. Der Zusammenfluss bei Manus ist eine sehr wichtige Sehenswürdigkeit und wird "Treffen der Wasser" genannt. Das besondere daran ist, dass der schwarze Fluss (Rio Negro) mit schwarzer Humuserde angereichert ist und eine Temperatur von 28 Grad hat, während der braune Fluss (Rio Solimoes) mit Lehm angereichert ist und nur 22 Grad hat. Dadurch vermischen sich die beiden Flüsse im Wasser nicht sofort und brauchen eine Länge von ca. 10 km bis sie sich vereinen und dann eine Farbe haben. Die Farbe des Amazonasflusses und seiner Nebenflüsse hängt ab von der Beschaffenheit des Bodens und kann einen Farbton von rot, gelb, orange, braun, schwarz, grün und blau haben bzw. eine Mischung daraus.

Typisches lehmartige Amazonasufer. Hier im Schlamm des Amazonasufers kann ein Mensch, wie in einem Moor stark einsinken. Man kann sich dann sehr schwer befreien. Die Böden und Ufer des Amazonas sind aus Lehm, Ton, Sand und manchmal auch aus Felsen.

  

Die Anavilhanasinselgruppe ist ein Gebilde aus 500 kleinen Flussinseln im Amazonas auf einer Länge von 100 km und befindet sich im Rio Negro, dem Amazonasmittellauf. Aufgrund ihrer üppigen Fauna, ist sie einer der meistfotografierten Motive des Amazonas. Das Amazonaswasser ist trinkbar und wird von einigen Einheimischen unbehandelt getrunken. Richtige Trinkwasserqualität hat der Amazonas aber nicht. Die meitsen Einheimischen trinken Brunnenwasser (dies sollte mindestens 15 Meter tief sein, je tiefer umso qualitativ besser) oder aber kochen das Amazonaswasser ab. Touristen sollten das Amazonaswasser nicht trinken, da der Magen diese Wasserqualität nicht gewohnt ist. An manchen Stellen des Amazonas gibt es Fabriken, die ihre Abwässer in der Fluss leiten.

Ein typischer Nebenfluss des Amazonas
Ein typischer Nebenfluss des Amazonas

Fast alle Nebenflüsse des Amazonas haben eine schlangenförmige Form aufgrund der weichen Bodenbeschaffenheit. Eine Abfolge von Flusschlingen wird in der Fachsprache Mäander genannt. Es entstehen sehr oft mit der Zeit isolierte Flussschlingen, die dann ein stillgelegtes Gewässer bilden (ganz oben links, kleines grünes Hufeisen, zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken). Normalerweise kann man überall im Amazonas und auch in den Nebenflüssen problemlos baden und schwimmen, trotz der Piranhas, Kaimane und Ankondas. Diese Tierarten greifen normalerweise den Menschen nicht an, da genug Lebensraum und Nahrung herrscht. In den stillgelegten Gewässern ist es aber gefährlich zu baden und zu schwimmen, da dort aufgrund der Nahrungsknappheit und dem beengtem Lebensraum Piranhas, Kaimane und Anakondas aggressiv sind.

 

In fließenden Gewässern des Amazonas und der Nebenflüsse muss man damit rechnen, dass man beim Schwimmen Kontakt hat mit Schlingpflanzen und angeknabbert wird von harmlosen Fischen. Für Einheimische ist das selbstverständlich, aber für Touristen kann das beunruhigend sein.

Amazonas mit Nebenarm
Amazonas mit Nebenarm
Amazonas bei Manaus
Amazonas bei Manaus

Im Amazonasdelta beim Atlantik kann man im Einzugsgebiet von 100 km landeinwärts am Amazonasfluss Ebbe und Flut beobachten, die Wasserstände können bis 3 Meter unterschiedlich sein.

Ein ganz besonders Phänomän gibt es im Amazonasdelta, die Prorocaflutwelle. Proroca bedeutet übersetzt großer Lärm. Es handelt sich hierbei um eine große Gezeitenflutwelle bis 6 Meter hoch, die ausgelöst wird bei einer gewissen Konstellation von Neumond und Vollmond und einem bestimmten Wasserstand des Amazonas. Wenn der Amzonas wenig Wasser führt, wird diese Flutwelle vom Meer kommend (aufgrund des geringen Widerstandes des Amazonasflusses) bis 20 km in die Flussmündung des Amazonas gedrückt und kann gefährlich werden. Von einigen wagemutigen Brasilianern wird diese Flutwelle zum Surfen genutzt.

   Amazonasurwald